Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen

Im folgenden Abschnitt wird auf die Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen des Daimler-Konzerns eingegangen. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle C.51 dargestellt.

C.51

Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen      
Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
         
Allgemeine
Marktrisiken
mittel hoch Allgemeine Marktchancen hoch
Risiken
in Verbindung mit
Leasing- und Absatzfinanzierung

niedrig
niedrig Chancen in Verbindung mit
Leasing- und Absatzfinanzierung

niedrig
Risiken aus dem Beschaffungsmarkt mittel mittel Chancen aus dem Beschaffungsmarkt niedrig
Risiken infolge
gesetzlicher
und politischer
Rahmenbedingungen

niedrig

hoch
Chancen infolge gesetzlicher
und politischer Rahmenbedingungen
niedrig

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen. Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen stellen Rahmenbedingungen für die in den nachfolgenden Kategorien genannten Risiken und Chancen dar und fließen als Prämissen in die Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ein.

Für die Weltwirtschaft erwartet Daimler in 2014 wie die Mehrzahl der Wirtschaftsforschungsinstitute eine merkliche Beschleunigung des Wachstums. Der letztjährige Konjunkturverlauf ist im Kapitel »Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Geschäftsverlauf« dieses Lageberichts ausführlich beschrieben; die Wachstumsannahmen für 2014 werden entsprechend im »Prognosebericht« erörtert (vgl. Prognosebericht). Da der gesamtwirtschaftliche Rahmen maßgeblichen Einfluss auf die automobilen Absatzmärkte hat und deren Entwicklung zu den größten Risiken und Chancen für den Konzern zählt, verbinden sich mit der konjunkturellen Einschätzung entsprechende Risiken- und Chancenpotenziale.

Die volkswirtschaftlichen Risiken und Chancen sind an Annahmen und Prognosen über die Gesamtentwicklung der Einzelthemen gekoppelt. Insgesamt haben sich die volkswirtschaftlichen Risiken für das Geschäftsumfeld im Vergleich zum Vorjahr tendenziell eher leicht entspannt und die Chancen für die Weltwirtschaft leicht erhöht.

Mit der unerwartet reibungslosen Erhöhung der fiskalischen Schuldenobergrenze in den USA wurde schon zum Jahresanfang 2014 ein zentrales Einzelrisiko erfolgreich abgewendet. Die jüngsten Eintrübungen bei einigen Frühindikatoren haben aber gezeigt, dass die Belebung der US-amerikanischen Wirtschaft noch anfällig für Störungen bleibt. Entscheidend wird sein, wie der geplante Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gelingt und ob Investoren und Konsumenten wie erhofft das Wachstumstempo beleben. Sollte diese Belebung ausbleiben, würde die Konjunktur merklich weniger stark anziehen. Da der Daimler-Konzern insbesondere in den Geschäftsfeldern Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks einen beträchtlichen Teil seines Absatzes in den USA erzielt und sich eine solche geringere Wachstumsdynamik auch auf andere Regionen übertragen könnte, hätte ein solches Ereignis erhebliche Konsequenzen. Sollte es in den USA dagegen zu einer dynamischeren als bislang unterstellten Investitionstätigkeit kommen, könnte sich erheblich kräftigeres Wachstum ergeben. Da damit auch vermehrte Beschäftigungs- und Einkommenseffekte verbunden wären, würde die Nachfrage in den automobilen Geschäftsfeldern davon profitieren.

Falls in den Ländern der Europäischen Währungsunion die weiterhin notwendige Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sowie die Reformbemühungen nicht weiter fortgesetzt werden sollten, könnte dies an den Finanzmärkten für erneute Unruhe sorgen, die Refinanzierungskosten über steigende Kapitalmarktzinsen erhöhen und somit die ohnehin fragile konjunkturelle Erholung gefährden. Der europäische Markt ist für Daimler quer über alle Geschäftsfelder hinweg weiterhin von großer Bedeutung; für die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars, Mercedes-Benz Vans und Daimler Buses ist dies nach wie vor sogar der bedeutendste Absatzmarkt. Eine nur schwer einzuschätzende Chance ist in einer deutlich besseren wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone zu sehen. Falls die bisher schon eingeleiteten Reformmaßnahmen schneller und stärker wirken als bislang unterstellt, könnte auch das Wirtschaftswachstum kräftiger ausfallen; dies käme der Investitionsentwicklung und der automobilen Nachfrage auf dem wichtigen europäischen Markt zugute.

Eine markante Wachstumseintrübung in Japan, ausgelöst durch ein Scheitern der expansiven Geld- und Fiskalpolitik sowie fehlende Strukturreformen, ist eher nur als ein regional begrenztes Risiko anzusehen. Eine regional begrenzte Chance besteht in einer markanten Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in Japan. Ursache hierfür könnte ein deutlicher Anstieg der Investitionstätigkeit sein, der sich unmittelbar als Folge der angestrebten Strukturreformen und der schon eingeleiteten expansiven Geld- und Fiskalpolitik ergibt.

Aufgrund der in den vergangenen Jahren deutlich gewachsenen Bedeutung ist in einem konjunkturellen Einbruch der chinesischen Wirtschaft ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft zu sehen. Auslöser einer solchen Krise könnten Schwierigkeiten beim geplanten Umbau der Wirtschaft weg von zu viel Investitionen und Krediten hin zu mehr Konsum sein. Aber auch die Unwägbarkeiten rund um den chinesischen Finanzsektor, die Verschuldung einzelner Provinzen sowie eine erneute Überhitzung am Immobilienmarkt wären als Ursachen denkbar. Hingegen sehen wir in einer noch kräftigeren Entwicklung der chinesischen Wirtschaft eine weitere Chance. Auslöser eines solchen Ereignisses wäre eine rasche Wirkung der Reformmaßnahmen, begleitet von einem anziehenden Konsum.

Ein weiteres Risiko ist in einer neuerlichen Wachstumsabschwächung wichtiger Schwellenländer zu erkennen. Schon im Jahresverlauf 2013 enttäuschten insbesondere Volkswirtschaften wie Indien, Russland und Brasilien, aber auch Länder wie Indonesien oder die Türkei entwickelten sich unterhalb ihrer Möglichkeiten. In 2014 stehen zudem in wichtigen Schwellenländern (Indien, Südafrika, Türkei, Indonesien, Brasilien) politische Wahlen an, die gerade im Vorfeld die Unsicherheit über die weitere Entwicklung tendenziell erhöhen, die Währungen zusätzlich unter Druck bringen können und nicht zuletzt auch die Investitionstätigkeit belasten. Da Daimler in diesen Ländern jedoch entweder schon sehr aktiv ist beziehungsweise diese Märkte eine strategische Rolle spielen, wäre ein solches Ereignis risikobehaftet. Eine Chance ist in merklichen Reformumsetzungen wichtiger Schwellenländer zu erkennen. Sollten strukturelle Reformen gerade in Ländern wie Indien, Russland und Brasilien schnell und konsequent angegangen werden, würden globale Kapitalzuflüsse in diese Länder wieder zunehmen und somit auch neue Wachstumsspielräume entstehen.

Ein unzureichend vorbereiteter, beziehungsweise zu rascherAusstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik ist als weiteres Risiko festzumachen. Schon im Jahresverlauf 2013 hatten Ankündigungen der amerikanischen Notenbank, ihre Anleihenaufkäufe zu verringern, für Unruhen an den Finanzmärkten gesorgt. Die Langfristzinsen zogen an und in den Schwellenländern kam es zu Kapitalabflüssen und Währungsabwertungen. Daraus resultierte ferner in einigen Ländern ein zusätzlicher Inflationsdruck, der in Verbindung mit einer restriktiveren Zinspolitik dann den Wachstumsspielraum eindämmte. Käme es im Zuge der Verringerung der globalen Liquidität im Jahr 2014 zu noch deutlicheren Auswirkungen, könnte dies über die beschriebene Wirkungskette die gesamtwirtschaftlichen Zuwachsraten gerade in den Schwellenländern merklich verringern. Die höhere Volatilität an den Finanzmärkten würde zudem das Vertrauen von Investoren und Konsumenten dämpfen und somit auch die globale Konjunktur beeinträchtigen.

Angesichts der zum Jahresende 2013 sehr niedrigen Inflationsrate in der Europäischen Währungsunion (EWU) ist vor allem in den Medien das Thema Deflation aufgekommen. Ein dauerhafter und auf breiter Basis angelegter Preisrückgang würde die konjunkturelle Erholung der EWU erheblich gefährden.

Allgemeine Marktrisiken und -chancen. Die konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft ist von Volatilitäten geprägt, was zu Risiken, aber auch Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung auf den Automobilmärkten führt.

Die Bewertung marktwirtschaftlicher Risiken und Chancen ist an Annahmen und Prognosen über die Gesamtmarktentwicklung in den einzelnen Regionen gekoppelt. Die potenziellen Auswirkungen der Risiken auf die Absatzentwicklung des Daimler-Konzerns werden anteilmäßig in Risikoszenarien erfasst. Die Gefahr sich schlechter entwickelnder Märkte besteht grundsätzlich für alle Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns. Deshalb werden Märkte und Wettbewerber kontinuierlich analysiert und überwacht; gegebenenfalls werden spezifische Marketing- und Vertriebsprogramme aufgesetzt. Infolge des Wettbewerbsdrucks auf den Automobilmärkten ist es unerlässlich, dass die Produktions- und Kostenstrukturen laufend und erfolgreich an sich verändernde Rahmenbedingungen angepasst werden. Für alle Geschäftsfelder sind klare Strategien formuliert. Jedes Geschäftsfeld verfolgt dabei konsequent das Ziel, profitabel zu wachsen und die Effizienz zu steigern.

Die vergangenen Krisenjahre haben nicht zuletzt auch dazu geführt, dass sich die wirtschaftliche Lage einiger Händler und Fahrzeugimporteure verschlechtert hat. Insofern können Unterstützungsmaßnahmen weiterhin nicht ausgeschlossen werden, wodurch die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage des Daimler-Konzerns belastet würde. Auf die Risiko- und Chancensituation unserer Zulieferer wird im Abschnitt Beschaffungsmarktrisiken und -chancen eingegangen.

Zusätzlich zu diesen segmentübergreifenden Themen gibt es segmentspezifische Risikofelder. Hierzu gehört im Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars der zunehmende Wettbewerbsdruck, aufgrund dessen die Gefahr besteht, dass über das bestehende Niveau hinaus weitere absatzfördernde Finanzierungsmöglichkeiten und Kaufanreize geboten werden müssen. Maßnahmen zur Unterstützung des Segmentabsatzes würden sich nachteilig auf die erwarteten Erträge auswirken. Je nach Ausprägung des regionalen Absatzes werden unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, um absatzschwächere Märkte zu unterstützen. Hierzu gehören beispielsweise die Nutzung neuer Vertriebskanäle, Maßnahmen zur Stärkung des Markenbewusstseins und der Markentreue sowie Verkaufs- und Marketingaktionen. Die Maßnahmen lassen sich auch auf die Absicherung der Geschäfte im Bereich After Sales ausweiten.

Das Geschäftsfeld Daimler Trucks unterliegt ebenfalls einem erhöhten Wettbewerbsdruck und damit dem zusätzlichen Risiko, dass Preise nicht wie erwartet gefordert oder Kosteneinsparungen gegebenenfalls nicht realisiert werden können. Gleiches gilt für die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Vans und Daimler Buses. Die beschriebenen Maßnahmen gelten für alle Segmente. Das Segment Daimler Buses sieht darüber hinaus, aufgrund von politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten und möglichen Preissteigerungen der Materialien Unsicherheiten bei der Erreichung geplanter Gewinnziele.

Weitere Risiken und Chancen bei Mercedes-Benz Cars betreffen die Entwicklung der Gebrauchtwagenmärkte. In der Planung werden hierfür bestimmte Annahmen über das erwartete Preisniveau getroffen, auf deren Basis die Rückläufe aus Leasinggeschäften bewertet werden. Sollte aufgrund allgemeiner Marktentwicklungen eine negative beziehungsweise positive Abweichung von den Annahmen eintreten, besteht das Risiko sich verschlechternder beziehungsweise die Chance besserer Fahrzeugrestwerte von Gebrauchtwagen. Die Gegenmaßnahmen umfassen je nach Region und aktueller Marktlage grundsätzlich die kontinuierliche Marktüberwachung sowie gegebenenfalls Preissetzungsstrategien zur Regulierung der Fahrzeugbestände.

Da die Zielerreichung des Geschäftsfelds Daimler Financial Services eng mit dem Geschäftsverlauf der automobilen Geschäftsfelder verbunden ist, spiegeln sich bestehende Volumenrisiken und -chancen auch im Segment Daimler Financial Services wider. Daimler Financial Services beteiligt sich in diesem Zusammenhang an Marketingaufwendungen, insbesondere für Werbemaßnahmen in den Medien.

Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, dass sich der Gesamtmarkt für die Automobilindustrie besser entwickelt, als in den internen Prognosen, die der Zielplanung des Unternehmens zugrunde liegen, angenommen wird. Hierzu zählen positive Abweichungen von Planungsprämissen. Als potenziell chancenreicher Markt wird beispielsweise China gesehen. Die bestehenden Marktchancen für die Gesellschaften des Daimler-Konzerns können nur genutzt werden, wenn die Produktion hierauf ausgerichtet und die Lücken zwischen Nachfrage und Angebot rechtzeitig erkannt und abgedeckt werden können. Es könnte hierfür nötig sein, den Produktionsumfang zu erhöhen. Das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars sieht die Möglichkeit einer Marktchance für den Absatz von weiteren Fahrzeugen unterschiedlicher Baureihen. Auch bei Mercedes-Benz Vans bestehen Chancen aufgrund von positiven Marktentwicklungen.

Durch eine verbesserte Marktentwicklung oder eine Veränderung der Rahmenbedingungen im Markt existiert im Segment Daimler Trucks die Möglichkeit höherer Absätze an Fahrzeugen. Die durch den Daimler-Konzern initiierbaren Maßnahmen zur Nutzung des Chancenpotenzials umfassen eine Kombination aus dezentralen Vertriebs- und Marketingaktionen und zentraler, strategischer Produkt- und Kapazitätsplanung.

Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft. Im Zusammenhang mit der Veräußerung von Fahrzeugen bietet Daimler seinen Kunden auch vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten an – vor allem das Leasing oder die Finanzierung von Konzernprodukten. In Verbindung mit den genannten Risiken zur Entwicklung der Gebrauchtwagenmärkte besteht insbesondere für die automobilen Geschäftsfelder das Risiko, dass die bei Ablauf von Leasingverträgen erzielbaren Gebrauchtwagenpreise unterhalb der Buchwerte des Leasingvermögens liegen (Restwertrisiko). Im Zusammenhang mit der Verwertung von Leasingrückläufern entstehen auch Chancen, wenn die bei Wiederverwertung der Fahrzeuge erzielbaren Gebrauchtwagenpreise oberhalb der Buchwerte des Leasingvermögens liegen, sodass aus dem Wiederverkauf zusätzliche Erträge erzielt werden können. Ein weiteres Risiko im Finanzdienstleistungsgeschäft liegt in einer Verschlechterung der Kreditqualität des Kreditnehmers, sodass Forderungen aufgrund der Zahlungsunfähigkeit von Kunden ganz oder teilweise uneinbringlich werden (Adressenausfall- oder Kreditrisiko). Daimler begegnet den Restwert- und Kreditrisiken mit entsprechenden Marktanalysen, Bonitätsprüfungen auf Basis standardisierter Scoring- und Ratingverfahren und Besicherungen der Forderungen. Sonstige Risiken im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft betreffen mögliche höhere Refinanzierungskosten infolge von Zinsänderungen. Bei einer Anpassung der Kreditkonditionen für Kunden im Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft infolge höherer Refinanzierungskosten können sich das Neugeschäft und das Vertragsvolumen von Daimler Financial Services und auch der Absatz der Fahrzeugsegmente verringern. Risiken und Chancen ergeben sich zudem aus einer fristeninkongruenten Refinanzierung. Durch eine auf die Laufzeiten der Finanzierungsverträge abgestimmte Refinanzierung wird das Risiko der Fristeninkongruenz sowohl unter Zins- als auch unter Liquiditätsgesichtspunkten minimiert. Verbleibende Zinsänderungsrisiken werden durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente gesteuert. Weitere Informationen zum Kreditrisiko und zu den risikobegrenzenden Maßnahmen des Konzerns können der Anmerkung 32 des Konzernanhangs entnommen werden.

Beschaffungsmarktrisiken und -chancen. Die Konzernrisiken auf der Beschaffungsseite ergeben sich insbesondere aus den Preisschwankungen bei Rohstoffen. Der 2011 konjunkturell bedingte Rückgang der Rohstoffpreise setzte sich bei hoher Volatilität über das Jahr 2012 hinweg bis in das Geschäftsjahr 2013 fort. Basierend auf der stabileren Entwicklung der Europäischen Währungsunion sowie positiven US-Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten kehrte sich dieser Trend langsam um und ging im zweiten Halbjahr 2013 in eine Seitwärtsbewegung der Rohmaterialpreise über. Chancen auf den Rohmaterialmärkten werden im Hinblick auf die weltwirtschaftliche Konjunktur nur in geringem Umfang erwartet.

Vor dem Hintergrund des intensiven Einflusses durch institutionelle Kapitalanleger, der sich in verstärkter Nachfrage nach Rohmaterialinvestments ausdrückt und dadurch eine hohe Preisvolatilität an den Rohstoffmärkten begründet, bleibt die Entwicklung der Preise auf den Rohstoffmärkten ungewiss. Generell sind der Weitergabe der Rohstoff- und Materialverteuerungen über höhere Preise für die hergestellten Fahrzeuge aufgrund des ausgeprägten Konkurrenzdrucks auf den internationalen Automobilmärkten enge Grenzen gesetzt. Ein drastischer Anstieg der Rohstoffpreise wäre zumindest temporär mit einer beträchtlichen konjunkturellen Wachstumseinbuße verbunden.

Daimler begegnet den Risiken auf der Beschaffungsseite weiterhin mit einem gezielten Material- und Lieferantenrisikomanagement. Im Rahmen des Materialmanagements versucht der Konzern unter anderem, durch technologische Fortschritte die Abhängigkeiten von einzelnen Materialien zu reduzieren. Gegen die Volatilität bei Rohstoffpreisen sichert sich der Konzern durch den Abschluss von Laufzeitverträgen ab, die kurzfristige Risiken für die Materialversorgung sowie Effekte aus den Preisschwankungen besser kalkulierbar machen. Darüber hinaus nutzt der Konzern bei verschiedenen Metallen das Instrumentarium derivativer finanzieller Sicherungsgeschäfte.

Das Lieferantenrisikomanagement zielt darauf ab, mögliche finanzielle Engpässe bei Lieferanten frühzeitig zu erkennen und geeignete Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Auch nach den zurückliegenden Krisenjahren ist die Situation bei einigen Lieferanten aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks weiterhin angespannt. Dies hat dazu geführt, dass einzelne oder gemeinschaftliche Unterstützungsmaßnahmen seitens der Fahrzeughersteller notwendig wurden, um deren Produktion und Absatz sicherzustellen. Im Rahmen des Lieferantenrisikomanagements werden in Abhängigkeit von der internen Einstufung regelmäßige Berichtstermine für Lieferanten vereinbart, an denen wichtige Leistungskennziffern an Daimler berichtet und etwaige Stützungsmaßnahmen bestimmt werden.

Risiken und Chancen infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen. Auch gesetzliche und politische Rahmenbedingungen haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf den künftigen Geschäftserfolg von Daimler. Dabei spielen insbesondere die Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsbestimmungen für Fahrzeuge eine wichtige Rolle. Um die vielfältigen und weltweit oftmals divergierenden Regelungen einzuhalten, sind erhebliche Anstrengungen seitens der Automobilindustrie erforderlich. Daimler erwartet, dass in Zukunft ein noch höherer Anteil des Forschungs- und Entwicklungsbudgets für die Erfüllung dieser Anforderungen aufzuwenden ist. Viele Länder haben bereits strengere Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen erlassen oder bringen entsprechende Gesetzesvorgaben aktuell auf den Weg.

So sieht beispielsweise die neue Treibhausgas- beziehungsweise Verbrauchsgesetzgebung in den USA vor, dass die US-Neuwagenflotte im Jahr 2025 durchschnittlich nur noch 163 g CO2/Meile (circa 100 g CO2/km) emittieren darf. Diese neuen Vorgaben erfordern ab dem Modelljahr 2017 eine durchschnittliche Reduktion der CO2-Emissionen von jährlich 5 % bei den Pkw und anfänglich 3,5 % bei den SUVs und Pickups, für die damit bis 2022 ein etwas geringerer Anspannungsgrad gilt. Das trifft die deutschen Premiumhersteller und damit auch das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars stärker als zum Beispiel die amerikanischen Hersteller. So können aufgrund einer weiterhin starken Nachfrage nach großen, leistungsstarken Motoren in den USA und auch in Kanada monetäre Strafen nicht ausgeschlossen werden.

Auch in der Europäischen Union bestehen Regelungen zum CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen. Für 2015 wird nach einer Übergangszeit für die gesamte europäische Neufahrzeugflotte ein CO2-Flottendurchschnittswert von 130 g CO2/km vorgeschrieben. Der relevante Grenzwert für Daimler hängt vom Portfolio der in der Europäischen Union verkauften Fahrzeuge ab und wird vom Gewicht der Fahrzeuge abgeleitet. Darüber hinaus wird aktuell im EU-Parlament und im EU-Ministerrat ein Verordnungsvorschlag der EU-Kommission behandelt, der eine Verschärfung des Flottenziels auf
95 g CO2/km für das Jahr 2020 vorsieht. Bei einer Überschreitung der sich daraus ergebenden Daimler-Flotten-Zielwerte wären Abgaben zu zahlen.

Für den chinesischen Markt definierten die Behörden für 2015 einen Flottendurchschnittsverbrauch von 6,9 l/100 km (circa 160 g CO2/km) als durchschnittliches Industrieziel für Neuwagen. Aufgrund des noch nicht abgeschlossenen Gesetzgebungsverfahrens für 2015 besteht das Risiko, dass jedes Fahrzeug zwar im Durchschnitt seiner Flotte verrechnet wird, aber individuell mindestens die bisherigen Grenzwerte erreichen muss, was insbesondere für hochmotorisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung darstellt. Sanktionen wurden noch nicht definiert. Für das Jahr 2020 wird ein neues, anspruchsvolles Ziel für die Industrie im Durchschnitt von 5,0 l/100 km (circa 117 g CO2/km) angestrebt; die konkrete Ausgestaltung dieses Ziels ist aber noch in der Diskussion. In zahlreichen weiteren Ländern existieren ähnliche Gesetze oder sind derzeit in Vorbereitung, beispielsweise in Japan, Südkorea, Indien, Kanada, der Schweiz, Mexiko, Saudi-Arabien, Brasilien und Australien.

Daimler berücksichtigt diese Zielvorgaben in den Produktplanungen. Die zunehmend anspruchsvolleren Zielsetzungen erfordern signifikante Anteile von Plug-in-Hybriden oder anderen elektrifizierten Antrieben. Der Markterfolg dieser Antriebskonzepte wird maßgeblich vom regionalen Marktumfeld mitbestimmt, beispielsweise von der Ladeinfrastruktur und von Fördermaßnahmen. Da das Marktumfeld nicht sicher vorhergesagt werden kann, verbleibt ein Restrisiko.

Nach der EU-Richtlinie 2006/40/EG erhalten seit dem 1. Januar 2011 nur diejenigen Fahrzeuge eine Typgenehmigung, deren Klimaanlagen mit einem Kältemittel befüllt sind, das bestimmte Kriterien hinsichtlich der Klimafreundlichkeit erfüllt. Für die Einführung in jedes Neufahrzeug sieht die Richtlinie einen Einführungszeitraum bis zum 31. Dezember 2016 vor. Mercedes-Benz Cars hatte für seine neuen Fahrzeugmodelle ursprünglich den frühestmöglichen Einsatz des entsprechenden Kältemittels (R1234yf) geplant und wollte daher diesen Übergangszeitraum nicht nutzen. Aufgrund der im Sommer 2012 von Mercedes-Benz Cars identifizierten Sicherheitsrisiken sieht Daimler jedoch vom Einsatz des neuen Kältemittels R1234yf in seinen Fahrzeugen ab und hat mit der Entwicklung von CO2-Klimaanlagen begonnen. Derzeit geht der Konzern nicht davon aus, dass sich hieraus wesentliche Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ergeben.

Strenge Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen sind auch für das Geschäftsfeld Daimler Trucks mit Risiken behaftet. So sind für die schweren Nutzfahrzeuge in Japan im Jahr 2006 und in den USA im Jahr 2011 Gesetze zur Reduzierung von Treibhausgasen und Kraftstoffverbrauch verabschiedet worden. China hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der voraussichtlich ab 2015 auch unsere Exporte dorthin treffen wird und zusätzlichen Aufwand erfordert. Die Europäische Kommission arbeitet zurzeit an einem Messverfahren zur Erfassung des CO2-Ausstoßes von schweren Nutzfahrzeugen, das voraussichtlich ab 2017 anzuwenden sein wird. Der Konzern geht davon aus, dass die gesetzlichen Vorgaben in einigen Ländern schwer zu erfüllen sein werden.

Die weltweit gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften erfordern auch einen gewissen Aufwand; Daimler erwartet jedoch aufgrund seiner von jeher starken Fokussierung auf Fahrzeugsicherheit derzeit keine zusätzlichen Risiken.

Auch für die leichten Nutzfahrzeuge sind sehr anspruchsvolle CO2-Emissionsvorschriften geplant beziehungsweise beschlossen, die vor allem langfristig eine Herausforderung für das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans, das im Wesentlichen das schwere Segment der N1-Fahrzeuge bedient, darstellen. So darf die europäische Flotte der N1-Fahrzeuge im Durchschnitt ab 2017 nicht mehr als 175 g CO2/km und ab 2020 nicht mehr als 147 g CO2/km emittieren, ansonsten können Strafzahlungen nicht ausgeschlossen werden.

Zusätzlich zu Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsbestimmungen nehmen in Städten und Ballungszentren der Europäischen Union und anderer Regionen der Welt verkehrspolitische Restriktionen zur Bekämpfung von Staus und Emissionen an Bedeutung zu. Drastische Maßnahmen wie generelle Zulassungsbeschränkungen, beispielsweise in Peking, Guangzhou und Shanghai, werden zunehmend angewandt und können die Absatzentwicklung insbesondere in den Wachstumsmärkten dämpfen.

Daimler verfolgt ständig die Entwicklung der gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen und versucht, absehbare Anforderungen und langfristige Zielsetzungen frühzeitig im Produktentstehungsprozess zu antizipieren. Die große Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, in jedem Markt das passende Antriebsportfolio und die passende Produktpalette anzubieten und dabei gleichzeitig Kundenwünsche, interne Wirtschaftlichkeitsziele und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Bei einer optimalen Ausgestaltung von Portfolio und Markteinführungsstrategien können hieraus auch Wettbewerbsvorteile entstehen.

Darüber hinaus könnte für den Daimler-Konzern durch die Zunahme bilateraler Freihandelsabkommen ohne die Einbeziehung der Europäischen Union die Position des Unternehmens in wichtigen ausländischen Märkten beeinträchtigt werden. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn zwei asiatische Länder/Regionen ihre jeweiligen Importzölle abbauen. Importe von Fahrzeugen aus der EU wären somit kostenseitig in Höhe der Importzölle benachteiligt, da diese weiterhin beim Export von in Europa produzierten Gütern zu entrichten sind, während beim Handel zwischen den asiatischen Partnerländern keine Importzölle mehr anfallen.

Ferner besteht die Gefahr, dass einzelne Länder bei dem Versuch, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu schützen, verstärkt zu interventionistischen und protektionistischen Maßnahmen greifen. Gerade in den Märkten der Entwicklungs- und Schwellenländer stellen wir zunehmend Tendenzen fest, Importe zu begrenzen oder zumindest die Steigerungsraten abzuschwächen und mithilfe von industriepolitischen Maßnahmen Investitionen ins Land zu holen. So fordert Argentinien, dass Importe und Exporte ausgeglichen sein müssen. In Brasilien kann die existierende Industrieproduktsteuer unter der Voraussetzung lokaler Produktion und lokaler Beschaffung sowie Forschung und Entwicklung um bis zu 32 Prozentpunkte reduziert werden. In Russland wird es ab Anfang 2014 für lokal hergestellte Fahrzeuge möglicherweise keine finanzielle Kompensation für die bereits beim Verkauf anfallende Recyclinggebühr für Altfahrzeuge geben - unter anderem in Abhängigkeit von Beschäftigung und Höhe der Produktion. Auch in Südafrika gibt es finanzielle Unterstützung in Abhängigkeit von Investitionen und Produktionsvolumen. In Indien wurde ein zweiter, höherer Zollsatz für die Montage von Fahrzeugen eingeführt für den Fall, dass die Komponenten Motor, Getriebe und Achsen in zusammengebautem Zustand eingeführt werden. Dies sind nur einige Beispiele. Daimler hat bereits die lokale Wertschöpfung erhöht, um sich den industriepolitischen Rahmenbedingungen anzupassen, und damit rechtzeitig die Weichen gestellt. Weiterhin ergeben sich aus der zunehmenden Marktnähe der Produktionsstandorte unter Berücksichtigung unter anderem logistischer Vorteile Chancen in der Potenzialausschöpfung der Märkte.

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